25.07.2019

Großes Interesse beim ersten öffentlichen Vortrag

Vortrag der angehenden Bildungsfachkräfte an der HSE

Das Interesse war groß beim ersten öffentlichen Vortrag der angehenden Bildungsfachkräfte des Projekts Inklusive Bildung Baden-Württemberg an der Heidelberg School of Education.

Helmuth Pflantzer, Anna Neff, Thorsten Lihl, Michael Gänßmantel und Hartmut Kabelitz halten im Heidelberger Mathematikon einen Vortrag zum Thema „Heterogenität im Bildungskontext“, zu dem neben Studierenden und Fachleuten auch die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, Sozialminister Manne Lucha, Landesbehindertenbeauftragte Stephanie Aeffner sowie weitere Landtagsabgeordnete erschienen waren.

Zunächst stellen die angehenden Bildungsfachkräfte im wissenschaftlichen Teil ihres Vortrags den Bildungsbegriff nach Klafki und den Ansatz „Bildung für alle“ in  den Mittelpunkt. Anschließend verknüpfen sie den Gedanken Klafkis mit der eigenen Bildungsbiografie. Obwohl die drei Bildungsberichte sehr unterschiedlich sind, wird an ihnen aber eins deutlich: Die Möglichkeit, aus dem Schon- und Schutzraum, der Werkstatt für Menschen mit Behinderung, in die Qualifizierung zur Bildungsfachkraft zu wechseln, ist für alle mit großen Anstrengungen verbunden, die sich aber lohnt.

„Bildung ist ein Menschenrecht“, machte Anna Neff deutlich. Dennoch habe sie die Erfahrung gemacht, dass ihr der Zugang zu Bildung verwehrt wurde, dass ihr als Mensch mit einer so genannten geistigen Behinderung nichts zugetraut werde. Selbst nach ihrer Bewerbung beim Projekt „Inklusive Bildung" habe sie gesagt bekommen: „Das kannst Du nicht.“

Alle fünf beschrieben das Gefühl, nun als Lehrende an Hochschulen tätig zu sein, als „befreiend", als Bestätigung, dass Menschen mit Behinderung zu weit mehr fähig sind, als die Gesellschaft ihnen zutraut.

Neben der persönlichen (Weiter-)Bildung bedeutet Bildung in diesem Kontext auch, Möglichkeiten der Auseinandersetzung für andere zu schaffen. In Vorlesungen und Seminarsitzungen stellen die angehenden Bildungsfachkräfte die Lebensrealität von Menschen mit Behinderungen vor. Im Mittelpunkt steht dabei die Begegnung mit den Studierenden, das Eröffnen neuer Perspektiven und die Arbeit auf Augenhöhe. „Wir wollen mit unserer Arbeit eine Bereicherung für Hochschulen und die Gesellschaft sein – sie müssen uns einfach lassen“, brachte es Michael Gänßmantel abschließend auf den Punkt.

Die Mischung aus theoriegeleiteten und biografischen Zugängen erlaubt eine Auseinandersetzung, die, das war bei der Vortragsveranstaltung spürbar, etwas in Bewegung bringen kann.

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Bildrechte: HSE / Ingo Kleiber