14.11.2018

Premiere: Die Teilnehmenden des Projekts „Inklusive Bildung Baden-Württemberg“ halten ihre ersten Vorlesungen

Vorlesung an der PH Heidelberg

Einen so lang anhaltenden Applaus nach einer Vorlesung erhalten wohl nur die wenigsten Dozent*innen.

Im Oktober lernen 200 Studierende des Studiengangs „Frühkindliche Bildung“ in einer gemeinsamen Vorlesung der Evangelischen (EH) und Pädagogischen (PH) Hochschule Ludwigsburg die Lebenswelten und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen kennen, und zwar aus erster Hand. Dabei geht die Wissensvermittlung der angehenden Bildungsfachkräfte aber über den persönlichen Erfahrungsschatz hinaus. Die Vorlesung sei inhaltlich fundiert und methodisch gut vorbereitet gewesen. „Die Stifte waren am Glühen. Die Vorlesung war eine tolle Bereicherung für die Studierenden“, stellt die verantwortliche Professorin der EH Ludwigsburg, Sandra Fietkau, fest.

 

Von dieser Bereicherung konnten sich einen Monat später auch Studierende der Pädagogischen Hochschule Heidelberg überzeugen.

VL%20HSE3.jpgVor Beginn der Vorlesung herrscht im Hörsaal ungewohnte Stille. Fast alle Blicke sind nach vorne gerichtet. Denn vor den über hundert Pädagogik-Studierenden sitzt nicht die verantwortliche Professorin. An diesem Tag referieren die sechs Teilnehmenden des Projekts „Inklusive Bildung Baden Württemberg“ über das Thema „Schulische Bildung – Umgang mit Chancengleichheit“.

Dabei wird deutlich, dass fast alle Qualifizierungsteilnehmenden negative Erinnerungen an ihre Schulzeit haben und Benachteiligungen im Bildungssystem spürten. Viele waren mit der Haltung konfrontiert, „dass Behinderte ja sowieso nichts lernen müssen“. Den angehenden Pädagogen haben die angehenden Dozenten aus ihren Erfahrungen heraus viel mit zu geben. Wie ihre Kollegen fordert beispielsweise Anna Neff inklusive Schulformen nahe am Wohnort, damit Kinder mit Behinderungen bessere Teilhabe- und Bildungschancen haben. „Inklusion ist unser Ziel. Dabei bitte ich Sie mitzumachen“, appelliert sie an die Pädagogen von morgen.

Schon im Laufe der Vorlesung wird deutlich: Die angehenden Bildungsfachkräfte füllen eine Lücke. Denn viel zu häufig wird in der schulischen und universitären Ausbildung von pädagogischen Fachkräften nur über Menschen mit Behinderung geredet, aber nicht mit ihnen, wie Projektleiter Stephan Friebe erklärt: „Durch das Engagement der Bildungsfachkräfte wird Inklusion nicht nur theoretisch vermittelt, sondern im Vermittlungsprozess direkt erfahrbar.“