25.06.2018

Teilnehmer*innen von Inklusive Bildung Baden-Württemberg halten erste Seminare an der PH Heidelberg

Inklusive Bildung Baden Württemberg: Menschen, die als geistig behindert gelten, lehrten erstmals an einer Hochschule.

Heidelberg. „Ich merke, dass das immer besser zu mir passt“, so Helmuth Pflantzer. „Das“ ist die Qualifizierung zur Bildungsfachkraft beim Projekt „Inklusive Bildung Baden-Württemberg“ der Fachschule für Sozialwesen der Johannes-Diakonie. Der Heidelberger, der zuvor bei den Werkstätten der Lebenshilfe seinen Dienst an der Pforte versah, ist einer von sechs Teilnehmenden des Projekts. Seit dem Sommersemester 2018 leitet das Team der Qualifizierung seine ersten Seminare an der Pädagogischen Hochschule (PH) Heidelberg. Dabei zeigen die künftigen Bildungsfachkräfte, was in ihnen steckt.

Inklusion konsequent umsetzen, das ist das Ziel des innovativen Projekts „Inklusive Bildung Baden-Württemberg“. Männer und Frauen, die als geistig behindert gelten, werden dazu qualifiziert, an Fach- und Hochschulen zu lehren und den Studierenden die Lebenswelt und Bedarfe von Menschen mit Behinderung direkt und persönlich zu vermitteln. „Ich habe mich für die Qualifizierung beworben, weil ich etwas Neues machen wollte. Mir hat die Arbeit in der Werkstatt nicht mehr gereicht. Außerdem möchte ich meiner Tochter ein Vorbild sein und selbständig für uns beide sorgen können", erläutert Anna Neff, die zuvor bei den Schwarzacher Werkstätten der Johannes-Diakonie arbeitete, den Studierenden im Seminarraum. Gemeinsam wird das Thema „Arbeit“ behandelt. „Ich wollte schon immer Lehrer werden. Mit der Qualifizierung komme ich diesem Traum ein großes Stück näher“, ergänzt der Wieslocher Thilo Krahnke.

Auch die Studierenden formulieren, was für sie „Arbeit“ bedeutet. „Für seinen Lebensunterhalt sorgen zu können“, heißt es da, „sich in den Semesterferien Geld für einen Urlaub verdienen zu können“ oder auch „frühes Aufstehen“. „Dann freuen wir uns doch, so lange wir hier sind“, entgegnet Thorsten Lihl als einer der Seminarleiter schlagfertig. Das gleiche Thema, aber andere Perspektiven von Menschen mit und ohne Behinderung: Dieser Austausch ist es, auf den es den Akteuren ankommt.